Kurzinfo Zöliakie / Sprue
Definition
Zöliakie/Sprue ist eine Erkrankung des Dünndarms. Ursache ist eine Unverträglichkeit gegenüber glutenhaltigen Getreidesorten, die ab Auftreten der Erkrankung lebenslang besteht. Die Krankheit kann sich in jedem Lebensalter manifestieren. Sie ist genetisch bedingt.
Ursache
Durch Aufnahme des Getreideeiweißes Gluten (sog. Klebereiweiß), das in Weizen, Roggen, Gerste und Hafer vorkommt, wird die Bildung von typischen Antikörpern im Blut der Betroffenen angeregt. Einer der Antikörper richtet sich gegen die Zellen der Dünndarmschleimhaut. Der normale Aufbau der Dünndarmschleimhaut wird angegriffen und die Darmzotten zerstört.
Folgen
Die geschädigte Schleimhaut kann ihre Aufgabe, Nährstoffe aufzunehmen, nicht mehr erfüllen. Aufgrund der Gewebeschädigungen entstehen Verdauungsbeschwerden und in deren Folge Mangelerscheinungen - bei eigentlich ausgewogener Ernährung.
Risiken
Wird die Zöliakie/Sprue nicht erkannt oder eine glutenfreie Ernährung nicht eingehalten, besteht ein erhöhtes Risiko für Vitamin- und Mineralstoff-Mängel - insbesondere bezüglich Eisen, Calcium, Zink, Folsäure, B12, B6 und den fettlöslichen Vitaminen A, D, E, K. Dies kann zu erhöhter Infekt-Anfälligkeit und Osteoporose führen.
Auch eine Erhöhung des Risikos für Lymphome im gesamten Magen-Darm-Bereich wird beschrieben.
Krankheitszeichen
Die Symptome der Zöliakie sind sehr unterschiedlich in Art und Ausprägung. Typisch sind: Müdigkeit, Blässe, tiefe Ringe unter den Augen, Leistungsschwäche, Durchfall, Blähungen bis hin zu einem aufgewölbtem Bauch, Völlegefühl, Bauchschmerzen, fettige Stühle, Appetitlosigkeit (bei Kleinkindern Essens-Verweigerung), Gewichtsabnahme, trockene Haut, immer wiederkehrende offene, entzündete Stellen der Mundschleimhaut (Aphten) sowie Zyklusunregelmäßigkeiten. Darüber hinaus gibt es auch eine Reihe von Krankheitszeichen, die weniger typisch sind und daher oft übersehen werden: Verstopfung, Knochenschmerzen, Migräne, Erbrechen, Nervosität, Konzentrationsstörungen und Reizbarkeit.
Alle Symptome können auch isoliert auftreten. Die Zöliakie gilt daher als Chamäleon unter den Erkrankungen.
Diagnose
Zunächst gilt: keine Ernährungsumstellung ohne exakte Diagnose!
Folgende Symptome weisen auf eine Zöliakie hin:
- Feststellung von Eisenmangel, Fett im Stuhl, Gedeihstörungen bei Kleinkindern
- Zöliakie-typische Symptome (siehe oben) treten unter glutenhaltiger Ernährung auf. Wichtig: Säuglinge, die noch kein Getreide gegessen haben, können keine Zöliakie-Symptome entwickeln!
Nur diese Untersuchungen können die Diagnose sichern:
- Blutuntersuchung auf die zöliakietypischen Antikörper IgA-Gliadin-, IgG-Gliadin-, Endomysium- und Transglutaminase-Antikörper
- Bei positiven Antikörpern folgt eine Biopsie der Dünndarmschleimhaut zur Feststellung der Schädigungsstufe der Darmzotten (Marsh-Kriterien)
- Umstellung auf glutenfreie Ernährung – Kontrolle, ob Symptome nachlassen
- Jährliche Antikörperkontrolle und Laboruntersuchung werden jedem Betroffenen empfohlen. Weitere Biopsien sind nur bei Auftreten von Komplikationen oder Unklarheiten notwendig
Behandlung:
Lebensbegleitende glutenfreie Ernährung!
Allein durch das konsequente und dauerhafte Weglassen des schädigenden Getreideeiweißes werden die krankheitsauslösenden Prozesse gestoppt. Die Dünndarmschleimhaut regeneriert sich, die Darmzotten wachsen und nehmen ihre Funktion wieder auf. Bei jeder erneuten Zufuhr von Gluten wird die Schleimhaut wieder geschädigt, auch bei noch so lang eingehaltener Diät.
Bestehende Mangelerscheinungen sollten ausgeglichen werden, wenn notwendig, auch mit Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln. Andere, manchmal gleichzeitig auftretende Unverträglichkeiten - wie eine Milchzucker-Unverträglichkeit (Laktose-Intoleranz) oder eine Fruchtzucker-Malabsorption - müssen bei der Ernährungsumstellung mitberücksichtigt werden, um eine rasche Beschwerdefreiheit zu erreichen.
Was ist eigentlich Gluten?
Gluten ist ein Teil des Getreideeiweißes aus Weizen, Roggen, Gerste und Hafer und deren botanischen Verwandten. Dieses Eiweiß gibt den Getreiden ihre guten Backeigenschaften. Gluten wird auch als Klebereiweiß bezeichnet und ist unter anderem zuständig für die Flüssigkeitsaufnahme im Teig, die Teigelastizität und -konsistenz, die Krumen- und Krustenbildung beim Backen und die Frischhaltung (Wasserbindung) im fertigen Gebäck. Die Klebereiweiße der einzelnen Getreidearten unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung und haben auch andere Namen: Gliadin bei Weizen, Secalin bei Roggen, Hordein bei Gerste und Avenin bei Hafer. Die schädliche Wirkung von Weizengliadin ist für Zöliakie-Betroffene am stärksten.
Gluten in Lebensmitteln
Als natürlicher Bestandteil von Getreide ist Gluten in allen herkömmlichen Back- und Teigwaren enthalten. Panierte Lebensmittel und solche mit Flocken-Zusätzen sind ebenfalls glutenhaltig. Auch Produkte mit Gerstenmalz (Bier, einige Cornflakes und Schokoladenartikel) sind für die glutenfreie Ernährung ungeeignet.
Gluten wird häufig auch in Lebensmitteln verarbeitet, in denen Getreidebestandteile nicht vermutet werden. Beispiel: Aromen und Gewürzmischungen in Fleischwaren und anderen Fertigprodukten.
Hier helfen die Vorschriften der neuen Allergie-Kennzeichnungsverordnung: alle – auch in noch so geringer Menge - bewusst zugesetzten glutenhaltigen Bestandteile müssen in der Zutatenliste der Lebensmittel aufgeführt werden.
Ein großes Problem stellt die Kontamination einzelner Produkte mit glutenhaltigen Bestandteilen dar. Oft lässt sich bei Herstellung, Transport und Lagerung nicht vermeiden, das glutenfreie Produkte mit glutenhaltigen kontaminiert werden. Die Warnhinweise auf den Zutatenlisten werden angebracht, um für dieses Problem ein Bewusstsein zu schaffen sowie aus Gründen der Produkthaftung.
Die Hammermühle verarbeitet ausschließlich glutenfreie Lebensmittel. Rohstoffe und Endprodukte werden regelmäßig kontrolliert. Hammermühle-Produkte bieten daher für Betroffene größtmögliche Sicherheit und Qualität.
Andere Erkrankungen, die eine glutenfreie Ernährung erforderlich machen:
Es gibt neben der Zöliakie/Sprue weitere Krankheiten, die mit Hilfe der glutenfreien Diät behandelt oder wenigstens gebessert werden können. Gesichert sind die Erkenntnisse für die Hauterkrankung Dermatitis herpetiformis Duhring sowie bei klassischen Getreide-Allergien gegen die glutenhaltigen Getreidearten.
Weitere Hilfe erhalten Betroffene und deren Angehörige bei der
Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V.
Kupferstr. 36
70565 Stuttgart
Tel. 0711-459981-0
Fax 0711-459981-50
